Vorkasse-Tarife beim Strom: Erklärung, Vor- und Nachteile
Bei einem Vorkasse-Tarif zahlen Sie einen Betrag im Voraus, von dem der Anbieter laufend Ihren Verbrauch abbucht. Für den Anbieter entfällt damit das Ausfallrisiko — deshalb nehmen Vorkasse-Anbieter praktisch jeden Kunden an. Der Preis liegt aber oft über dem eines regulären Sondertarifs und nicht selten über der Grundversorgung.
Wenn Sie bei einem regulären Sondertarif wegen Ihrer Schufa abgelehnt werden, stoßen Sie früher oder später auf Vorkasse-Angebote. Diese Tarife werden aggressiv beworben — mit dem Versprechen, dass jeder Kunde genommen wird.
Das stimmt auch. Nur: Vorkasse ist nicht automatisch der günstigste Weg. Diese Seite erklärt, wie Vorkasse-Tarife funktionieren, für wen sie sinnvoll sind — und wann Sie besser zu einer anderen Lösung greifen.
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Wie ein Vorkasse-Tarif beim Strom funktioniert
Bei einem klassischen Stromtarif zahlen Sie monatlich einen Abschlag und am Ende des Abrechnungszeitraums wird mit Ihrem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet. Fällt der Abschlag zu niedrig aus, zahlen Sie nach; fällt er zu hoch aus, bekommen Sie Geld zurück.
Vorkasse funktioniert anders:
- Sie zahlen zu Vertragsbeginn einen Betrag im Voraus an den Anbieter.
- Der Anbieter bucht laufend Ihren Verbrauch von diesem Guthaben ab.
- Ist das Guthaben fast aufgebraucht, müssen Sie nachladen — ähnlich wie bei einer Prepaid-SIM-Karte.
Der entscheidende Punkt: Der Anbieter hat kein Ausfallrisiko. Er liefert erst dann Strom, wenn er Ihr Geld bereits hat. Genau deshalb nehmen Vorkasse-Anbieter praktisch jeden Kunden an — die Bonität spielt schlicht keine Rolle.
Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Sie werden unabhängig von Ihrer Schufa aufgenommen — praktisch immer.
- Keine Kaution, kein Abschlagsmodell, keine Nachzahlungsüberraschung.
- Sie behalten die volle Kostenkontrolle, weil Sie sehen, was Sie verbrauchen.
- Für manche Menschen ist das Modell psychologisch leichter: Man gibt nur aus, was man auch hat.
Nachteile
- Arbeitspreis oft über dem Marktniveau, teils über der Grundversorgung.
- Sie binden Kapital im Voraus — das Geld liegt beim Anbieter, nicht bei Ihnen.
- Bei Insolvenz des Anbieters ist Ihr Guthaben in der Regel verloren.
- Sie müssen selbst aufpassen, dass das Guthaben nie leer läuft — sonst droht Sperre.
- Weniger Verbraucherschutzmechanismen als bei regulären Tarifen.
Ehrlich gesagt: Wenn Sie die Wahl zwischen einem regulären Sondertarif ohne Bonitätsprüfung und einem Vorkasse-Tarif haben, nehmen Sie in der Regel den regulären Tarif. Vorkasse ist meist die zweitbeste Lösung — sinnvoll, wenn kein regulärer Weg offen ist.
Für wen Vorkasse sinnvoll ist — und für wen nicht
1 Sinnvoll, wenn Sie sonst keinen Vertrag bekommen
Wenn Sie bereits bei mehreren Anbietern wegen Ihrer Schufa abgelehnt wurden und auch kein Anbieter mit manueller Prüfung Sie aufnimmt, ist Vorkasse eine funktionierende Lösung. Sie kommen aus der teuren Grundversorgung heraus und haben volle Kostenkontrolle.
2 Sinnvoll als Übergangslösung
Wenn Sie in einer schwierigen finanziellen Phase sind und keine Nachzahlungen riskieren wollen, kann Vorkasse kurzfristig entlasten. Sie zahlen nur, was Sie tatsächlich verbrauchen — ohne am Jahresende von einer Nachforderung überrascht zu werden.
! Nicht sinnvoll, wenn ein regulärer Tarif offen ist
Wenn Sie einen regulären Tarif ohne Bonitätsprüfung oder mit manueller Prüfung bekommen können, ist dieser Weg in aller Regel günstiger und rechtlich besser abgesichert. Der Abschlagsmechanismus ist bei regulären Tarifen außerdem so ausgelegt, dass Sie nicht dauerhaft zu viel vorstrecken.
Worauf Sie bei Vorkasse-Anbietern achten sollten
Der Vorkasse-Markt hat leider auch schwarze Schafe. Bevor Sie einen Vertrag abschließen, prüfen Sie folgende Punkte:
1 Impressum und Firmensitz
Seriöse Anbieter nennen eine vollständige Firmenadresse, einen Geschäftsführer und einen Handelsregistereintrag. Ein Impressum, das nur aus einem Postfach oder einer E-Mail-Adresse besteht, ist ein Warnsignal.
2 Zahlungswege
Vorkasse-Zahlung per Überweisung oder SEPA-Lastschrift ist normal. Zahlungen per Bargeld, Kryptowährung oder an ausländische Konten sind es nicht — dort ist Ihr Geld bei Problemen kaum zurückzuholen.
3 Klarheit über Preise
Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen Arbeitspreis, Grundpreis und die Höhe der Vorauszahlung in klaren Zahlen. Undurchsichtige Tarifmodelle mit versteckten Staffelpreisen sind ein Warnsignal.
4 Erstattung von Restguthaben
Wenn Sie den Vertrag beenden, muss der Anbieter Ihnen das nicht verbrauchte Guthaben erstatten. Achten Sie auf die Klausel dazu in den AGB. Fehlt sie oder ist sie schwammig formuliert, ist das ein Zeichen für ein unlauteres Geschäftsmodell.
5 Auffällig niedriger Preis
Wenn ein Vorkasse-Anbieter deutlich unter dem Marktniveau liegt, ist Vorsicht geboten. Vorkasse-Anbieter haben strukturell höhere Kosten und müssen etwas verdienen. Wer deutlich günstiger anbietet, hat entweder ein anderes Geschäftsmodell oder ist nicht lange am Markt.
Faustregel: Wenn sich das Angebot zu gut anhört, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Ein Preisvergleich mit der örtlichen Grundversorgung und einem regulären Sondertarif ist immer der erste Schritt.
Die bessere Alternative: regulärer Tarif ohne Bonitätsprüfung
Bevor Sie sich auf Vorkasse einlassen, lohnt es sich zu prüfen, ob es für Ihre Adresse einen regulären Tarif ohne Bonitätsprüfung oder mit manueller Prüfung gibt. Diese Tarife haben entscheidende Vorteile:
- Normales Abschlagsmodell — Sie zahlen monatlich, wie alle anderen Kunden auch.
- Kein Kapitalrisiko — Sie binden kein Guthaben beim Anbieter.
- Gesetzliche Verbraucherrechte greifen voll — z. B. Kündigungsfristen, Preisanpassungsregeln, Schlichtungsverfahren.
- Meist deutlich günstiger als Vorkasse-Tarife.
Welche Anbieter an Ihrer Adresse ohne Bonitätsprüfung aufnehmen, hängt von Ihrer Postleitzahl ab — es gibt keine allgemeine Liste. Auf der Seite Stromanbieter ohne Bonitätsprüfung erkläre ich, warum das so ist und wie wir das konkret für Sie prüfen.
Die Reihenfolge, die wir empfehlen: Erst prüfen, ob ein regulärer Sondertarif ohne Bonitätsprüfung möglich ist. Falls nicht: Anbieter mit manueller Prüfung. Falls auch das nicht geht: Vorkasse. Grundversorgung nur als Notlösung oder Zwischenschritt.
Häufige Fragen zu Vorkasse-Tarifen beim Strom
Bei einem Vorkasse-Tarif zahlen Sie einen bestimmten Betrag im Voraus an den Anbieter, bevor Sie Strom beziehen. Der Anbieter bucht dann laufend Ihren Verbrauch davon ab. Ist das Guthaben aufgebraucht, zahlen Sie nach. Anders als beim Abschlagsmodell geht der Anbieter damit kein Ausfallrisiko ein.
Häufig ja. Weil Vorkassetarife meist über spezialisierte Anbieter laufen und der Kundenkreis kleiner ist, liegen die Arbeitspreise oft über denen klassischer Sondertarife. In einzelnen Fällen können sie sogar über der Grundversorgung liegen. Ein genauer Vergleich lohnt sich, bevor Sie einen Vorkassetarif abschließen.
Das hängt vom Anbieter ab. Viele Vorkasse-Anbieter arbeiten mit einem Notkredit oder einer Karenzzeit, bevor sie die Lieferung einstellen. Grundsätzlich gilt aber: Bei Vorkasse müssen Sie aktiv dafür sorgen, dass Ihr Guthaben rechtzeitig aufgefüllt wird. Wird es leer und der Anbieter sperrt, kann es dauern, bis die Versorgung wiederhergestellt ist.
Warnsignale sind unter anderem: keine klare Angabe von Firmensitz und Geschäftsführung, kein Impressum oder nur ein Postfach als Adresse, auffällig günstige Preise im Vergleich zum Markt, Vorkassezahlung per Bargeld oder Kryptowährung, undurchsichtige AGB und ein Kundenservice, der nur per Formular erreichbar ist.
Vorkasse-Tarife sind in der Regel eine Übergangslösung für Menschen, die wegen eines negativen Schufa-Eintrags sonst keinen Sondertarif bekommen. Wer die Möglichkeit hat, über einen Anbieter ohne Bonitätsprüfung einen regulären Tarif mit Abschlagszahlung zu bekommen, fährt damit meist besser.
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